Erläuterung zur aktuellen Frage
Kärnten war im Mittelalter ein eigenständiges Herzogtum, dessen Oberhaupt in einer dreiteiligen Zeremonie den Thron bestieg. Zuerst wurde der als Bauer gekleidete Kandidat zum sog. "Fürstenstein" geführt, auf dem ein Vertreter der Bauernschaft ("Herzogbauer") saß. In slowenischer Sprache wurde der Kandidat zu seinem Glauben und Amtsverständnis befragt und mit einer Ohrfeige daran erinnert, dass er die Grundlage seiner Herrschaft vom Volk bezog. Erst nach dem Versprechen, dass er ein gerechter Richter und Herrscher sein werde, folgte eine kirchliche Weihe und die Huldigung und Lehenvergabe am sog."Herzogstuhl".
Ursprünglich könnte dieser symbolische Gewaltakt auch bedeutet haben, dass der den Stein räumende Herzogbauer eine Kontrollfunktion über den Regierenden beibehielt und dass der Willkür durch die Landesfürsten Grenzen gesetzt waren. Der Ohrfeige wurde lange Zeit auch gedächtnisstärkende Wirkung nachgesagt: so wurde Zeugen bei der Begehung von Grundstücksgrenzen an den Grenzsteinen eine Ohrfeige verpasst, damit sie sich die Lage merkten, woher die Redewendung "sich etwas hinter die Ohren schreiben" stammt. Auch beim Ritterschlag, bei der Lehensvergabe oder bei der Firmung war die Ohrfeige als Symbol der Stärkung und zur Erinnerung an den Anlass bekannt.
Heute ist das österreichische Staatsoberhaupt der Verfassung verpflichtet und kann beim Verfassungsgerichtshof angeklagt werden. Eine Absetzung kann nach der Durchführung einer Volksabstimmung, die auf Antrag des Nationalrats, des Bundeskanzlers oder der Bundeskanzlerin veranlasst wird, erfolgen. Wenn die Volksabstimmung zu Gunsten des Staatsoberhaupts entscheidet, folgen die Auflösung des Nationalrats und Neuwahlen zum Parlament.
Weiterlesen:
http://austria-lexikon.at/Herzogbauerhttp://austria-lexikon.at/Herzogseinsetzung
Bereits 14564 BewerberInnen.